(e) Kultur Vorbereitungen
Rubrik statische Inhalte
Aus der Jubiläumsfestschrift von 1985
Kultur Vorbereitungen
Die Kolonisten setzten sich tatkräftig bei der Errichtung ihrer Kolonate ein, doch fehlte es an erforderlichen Gespannen und Geräten, um die Ödlandflächen zu kultivieren. Sie konnten erst nach und nach in Acker— und Grünland verwandelt werden. Was aber war die Bewältigung dieser Arbeiten verglichen mit der Anlage von Wegen und Wasserzügen, mit Verschlichtungsarbeiten auf einigen sehr unebenen Kolonieflächen oder mit der Anlage einer etwa 20 ha großen, gemeinschaftlich zu nutzenden Viehweide?
Für die Bewältigung dieser Projekte reichten die Arbeitskräfte bei weitem nicht aus. So versuchte die Verwaltung des Landeskulturfonds, Strafgefangene aus Vechta zu gewinnen. Sie dachte an eine Kolonne von 12 bis 15 Mann. Die Direktion in Vechta unterstützte das Vorhaben und meinte, „daß die Gefangenenarbeit soweit wie möglich den Landeskulturinteressen dienstbar gemacht werden müßte. Da auch das Staatsministerium zustimmte, konnte Moorkultur-Inspektor Glaß seine Pläne bald in die Tat umsetzen. 1908 ließ er sein “Kolonenhaus zur Unterbringung der Sträflinge errichten (Kolonat 15). Die Bauarbeiten übernahm Zimmermeister Precht für 4.500 Mark. Im Oktober stand es im Rohbau fertig, und am 8. 11. traf bereits ein Vorkomando von 8 Gefangenen und 2 Aufsehern ein. 2 Tage später folgte ein Arbeitskomado von
36 Mann. Es wurde in erster Linie zu Meliorations arbeiten in der „Staatsweide“ und zur Herstellung von Wegen und Entwässerungsgräben eingesetzt.
Nach einer Zwangspause wegen eines Kahlfrostes übers Jahresende wurde die Arbeit erst im Februar wieder auf genommen. Das Kommando führte Meliorationsarbeiten in der Staatsweide sowie auf den Kolonaten durch (Verschlichten, Entwässern, etc.); insbesondere wurden die sehr unebenen Grünlandanschüsse einzelner Kolonate in den letzten vier Wochen verschlichtet. Am 9. 7. war schließlich das Unternehmen beendet.
Für die Kolonisten waren damit die Kulturvorbereitungen aber noch lange nicht abgeschlossen. Zu schlecht war der Boden, als daß sie sich in materieller Sicherheit wiegen konnten. Das war dem Landeskulturfondes auch bewußt, und so versuchte die Verwaltung, die Siedler anzuspornen, mehr Grünlandflächen anzulegen. Um die Kulturfähigkeit der ihnen eingewiesenen Anschüsse unter Beweis zu stellen, ließ sie Versuchsfelder auf freiwilliger Basis bei interessierten Kolonisten anlegen. Sie mußten sich nur verpflichten, die erforderlichen Vorbereitungen und Bestellungen genau nach Anweisung auszuführen.
Dieses Vorhaben scheiterte anfänglich jedoch daran, daß die Kolonisten noch nicht imstande waren, die erforderlichen Vorarbeiten zu leisten. Wir dürfen schließlich nicht vergessen, daß neben Kulturvorbereitungen noch andere brennende Probleme auf die Kolonisten zukamen, z.B. der Brunnenbau auf jedem Kolonat, den die Stelleninhaber selbst übernahmen. Der Landeskulturfonds gewährte ihnen lediglich einen Zuschuß von 50 Mark. Dann mußten Baumaterialien für den Hausbau herangeschafft werden — Steine und Dachpfannen von der Bahnstation oder den Ziegeleien selbst, Bauholz von Sägereieri etc. — so daß die vorhandenen Gespanne auch häufig Transportarbeiten übernahmen.
Hinzu kam, daß die Kolonisten versuchten, durch Eigenleistungen die Bausumme zu senken. So übernahmen sie das Ausschachten ihrer Keller, verrichteten Handlangerdienste oder führten bei handwerklichem Geschick Arbeiten selbst aus, damit sie den ihnen eingeräumten Zuschuß von 4.000 bis 4.500 Mark nicht überschritten.
Für manche wurde die Situation obendrein dadurch erschwert, daß sie noch in ihren Heimatorten wohnten und täglich den Weg zu ihren Kolonaten zurücklegen mußten.
